Patientendaten, medizinische Systeme und der laufende Praxisbetrieb sind attraktive Ziele für Cyberkriminelle.
Arztpraxen und Medizinische Versorgungszentren (MVZ) verfügen über hochsensible Gesundheitsdaten und sind gleichzeitig auf eine funktionierende IT-Infrastruktur angewiesen. Ein erfolgreicher Cyberangriff kann deshalb weit mehr als nur einen kurzfristigen IT-Ausfall verursachen.
83 % der Ärztinnen und Ärzte sehen ein konkretes Risiko
Wie ernst die Situation eingeschätzt wird, zeigt eine Untersuchung von Bitkom und Hartmannbund: 83 % der niedergelassenen und angestellten Ärztinnen und Ärzte in Praxen und Versorgungszentren sorgen sich vor Cyberangriffen auf ihre medizinische Einrichtung. Gleichzeitig sind 82 % der Meinung, dass Praxen häufig nicht ausreichend vor Cyberangriffen geschützt sind.
Das zeigt: IT-Sicherheit ist längst kein reines IT-Thema mehr. Sie betrifft unmittelbar den Schutz von Patientendaten, die Verfügbarkeit medizinischer Systeme und damit die Handlungsfähigkeit einer Praxis.
Ransomware gehört zu den größten Bedrohungen
Besonders gefährlich sind sogenannte Ransomware-Angriffe. Dabei verschaffen sich Angreifer Zugang zu IT-Systemen, verschlüsseln Daten oder Systeme und versuchen anschließend, von ihrem Opfer Geld zu erpressen.
Eine repräsentative Bitkom-Untersuchung unter mehr als 1.000 deutschen Unternehmen zeigt die Dimension: 60 % der Unternehmen wurden innerhalb von zwölf Monaten von Ransomware angegriffen. Bei 31 % entstand dadurch ein Schaden, beispielsweise durch Produktions- bzw. Betriebsausfälle, Kosten für IT-Dienstleister oder Lösegeldzahlungen.
Die Zahlen stammen zwar nicht ausschließlich aus dem Gesundheitswesen. Sie verdeutlichen jedoch, wie verbreitet Ransomware inzwischen als Geschäftsmodell der Cyberkriminalität ist.
Für Praxen geht es um mehr als Datenverlust
Ein Cyberangriff auf eine Arztpraxis oder ein MVZ kann beispielsweise dazu führen, dass
- die Praxissoftware nicht mehr erreichbar ist,
- Patientendaten verschlüsselt oder gestohlen werden,
- medizinische Geräte nicht mehr genutzt werden können,
- Termine und Untersuchungen ausfallen,
- Abrechnungen nicht mehr durchgeführt werden können,
- die Kommunikation mit anderen Einrichtungen oder Kostenträgern unterbrochen wird,
- oder die Praxis ihren Betrieb vorübergehend einstellen muss.
Die KBV nennt als konkretes Beispiel einen Cyberangriff, durch den Server und Netzwerkgeräte einer Praxis lahmgelegt werden und Patienten deshalb abgewiesen werden müssen. Auch die Manipulation eines medizinischen Großgeräts, beispielsweise eines MRT-Systems, wird als mögliches Angriffsszenario beschrieben.
Rund 1.000 größere Praxen und MVZ könnten von NIS-2 betroffen sein
Die Bedeutung des Themas zeigt sich auch an den gesetzlichen Anforderungen. Seit dem 6. Dezember 2025 gelten in Deutschland im Rahmen der NIS-2-Umsetzung zusätzliche Cybersicherheitsanforderungen.
Davon können auch größere Arztpraxen und MVZ betroffen sein. Maßgeblich ist unter anderem, ob mindestens 50 Personen beschäftigt werden oder der Jahresumsatz mehr als 10 Millionen Euro beträgt. Nach Einschätzung des Bundesverbands Medizinische Versorgungszentren könnten rund 1.000 Praxen und MVZ unter die neuen Vorgaben fallen.
Für betroffene Einrichtungen bedeutet das unter anderem: Sicherheitsrisiken müssen systematisch bewertet und geeignete Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. Erhebliche Sicherheitsvorfälle müssen zudem gemeldet werden.
IT-Sicherheit wird damit zur Chefsache
Die Digitalisierung bietet Arztpraxen und MVZ enorme Vorteile – gleichzeitig wächst mit der Zahl digitaler Systeme auch die Angriffsfläche.
Eine moderne IT-Sicherheitsstrategie sollte deshalb nicht erst beginnen, wenn bereits ein Angriff stattgefunden hat. Entscheidend sind Prävention, Überwachung, regelmäßige Backups, sichere Zugänge, aktuelle Systeme und geschulte Mitarbeiter.
Denn die entscheidende Frage ist nicht nur:
„Kann unsere Praxis angegriffen werden?“
Sondern:
„Wie schnell können wir einen Angriff erkennen, abwehren und unseren Praxisbetrieb wiederherstellen?“
ratiosys: IT-Sicherheit für Arztpraxen und MVZ
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